Was ist (m)eine Praxis wert?

Was ist (m)eine Praxis wert?

Die demografischen Entwicklungen sind bei den Zahnärzten angekommen. Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Zahnärzte liegt heute bei über 50 Jahren. In vielen Regionen ist es sogar schon bei 60 Jahren angelangt. Eine große Zahl der älteren Zahnärzte ist in etwa gleich alt und wird daher zur selben Zeit einen adäquaten Nachfolger suchen.

Den zahlreichen Betreibern einer Einzelpraxis steht eine sinkende Zahl übernahmewilliger Zahnärzte gegenüber. Dies ist neben dem demografischen Wandel und der zunehmenden Feminisierung auch darauf zurück zu führen, dass viele der jungen Zahnmediziner sich erst einmal anstellen lassen, bevor sie unternehmerische Verantwortung übernehmen wollen.

Jährlich steigt mittlerweile auch die Zahl der Praxen, die geschlossen werden müssen, ohne dass ein adäquater Nachfolger gefunden werden konnte. Noch vor einigen Jahren wäre dies undenkbar gewesen.

Zwischen 2010 und 2015 werden in Deutschland weit über 17.771 Zahnarztpraxen (Quelle: Rebmann-Research) Nachfolger suchen, weshalb potenzielle Praxisabgeber bereits frühzeitig die Möglichkeit zur Praxisabgabe prüfen sollten. Hauptsächlich gilt es, den Übergabezeitpunkt und die Abgabe der Praxis strategisch zu planen.

Neben der klassischen Praxisabgabe, der Gründung einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) oder einer Praxisgemeinschaft auf Zeit können noch weitere Varianten in Erwägung gezogen werden. Der sukzessive Ausstieg durch die Veräußerung der Praxisanteile in mehreren Tranchen kann ein möglicher Weg sein. Im Einzelfall kann auch die Veräußerung der Kassenpraxis und die Fortführung einer Privatpraxis profitabel sein. Zu guter Letzt könnte auch die Übertragung der Praxis in eine am Ort bestehende Praxis eines jüngeren Kollegen der Königsweg sein. Der zahnmedizinische Nachwuchs drängt in Kooperationen. So hat sich laut Existenzgründungsanalyse 2011 der apoBank und des IDZ in den alten Bundesländern fast jeder zweite Existenzgründer bis 30 Jahre in einer Kooperation niedergelassen.

Es ist daher von vitaler Bedeutung, sich im Vorfeld der angestrebten Praxisabgabe darüber Gedanken zu machen, welcher dieser beschriebenen Wege der richtige ist, denn jede dieser Varianten erfordert andere Maßnahmen und Handlungen. Vor diesem Hintergrund ist es für den Abgeber wichtig, sich frühzeitig mit der Abgabeplanung zu beschäftigen und kompetente Beratung einzuholen, um alle Alternativen zu erörtern und möglicherweise strategisch umzusetzen.

In vielen Fällen wird der Erlös aus dem Praxisverkauf als weitere Säule der Altersvorsorge neben dem Versorgungswerk benötigt. Was ist meine Praxis wert? Was ist mir diese Praxis wert? Das sind die beiden entscheidenden Fragen. Einfache Antworten gibt es darauf nicht. Der Verkäufer verkauft seine Vergangenheit, der Käufer kauft seine Zukunft. Es gibt keine gesetzlichen Bestimmungen zur Ermittlung des Praxiswertes. Als Bewertungsmethode hat sich mittlerweile das modifizierte Ertragswertverfahren durchgesetzt. Für ein derartiges Gutachten kommen renommierte Praxisberater und Sachverständige in Betracht. Der tatsächliche Wert wird jedoch vom Markt bestimmt und ist das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Ein qualifiziertes Praxiswertgutachten kann somit nur der Ausgangspunkt der Verhandlungen sein.

„Die Praxis muss dem Käufer schmecken“! Der niederlassungswillige Zahnarzt kann seit dem Wegfall der Bedarfsplanung 2007 eine Praxis an einem Standort seiner Wahl gründen. Er steht daher stets vor der Entscheidung: Neugründung oder Übernahme. Nur eine gut eingeführte, wirtschaftlich gesunde, mit hoher Reputation ausgestatte Praxis kann einen hohen ideellen Wert rechtfertigen. Zur Steigerung des Verkaufserlöses gibt es zahlreiche Ansatzpunkte (z.B. Renovierung der Praxis, Ersatz- und Neuinvestitionen, Ablaufoptimierung, Erschließung neuer Behandlungsfelder etc.). Diese Maßnahmen dauern mindestens zwei bis drei Jahre, ehe sie zu sichtbaren und messbaren Ergebnissen führen.

Das Erreichen eines adäquaten Kaufpreises hängt also vom aktuellen Verkäufer- und Käufermarkt, den jeweiligen Beteiligten, von wertsteigernden Maßnahmen und zuletzt von der Expertise eines erfahrenen Praxisberaters ab. Praxisinhaber sollten sich bei ihren Verkaufsentscheidung nicht von provisionsorientierten Gewerbetreibenden drängen lassen. Die professionelle Vorbereitung und individuelle Beratung sollte im Vordergrund stehen – nicht die Anbahnung von „Folgegeschäften“.

Vor diesem Hintergrund ist es ratsam, erfahrene und unabhängige Berater einzuschalten, die aufgrund ihrer nachhaltigen rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Kenntnis und der Vernetzung im Verkäufer- und Käufermarkt den realen Wert einer Praxis gut einschätzen und den Verhandlungsprozess moderativ begleiten können.

 

Diesen Beitrag schrieb Queißer PR für Praxistransfair im Rahmen einer Themenserie über die Praxisabgabe und Praxisübergabe für die DZW

Agentur Queißer-PR

Inhaberin Eva Queißer-Drost
PR-Beraterin, Business Coach
Haubachstraße 11
10585 Berlin-Charlottenburg
Fon 030-34 50 85 88
Fax 030-34 50 85 89
mail@queisser-pr.de

Gesundheitskommunikation

Die Agentur Queißer-PR entwickelt PR-Konzepte und berät Unternehmen in allen Fragen der Kommunikation, des Marketing und der Außendarstellung. Als Full-Service-Agentur bieten wir PR-Beratung, Konzeption, PR-Service, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Medienkontakte, Social Media-PR, Anzeigenkampagnen, Publikationen, suchmaschinenoptimierte Texte uvm. für alle Unternehmen, speziell für Ärzte und Therapeuten in medizinischen Einrichtungen, Praxen, Kliniken und Therapiezentren an.