Multifunktionalität in historischen Stadtlandschaften

Multifunktionalität in historischen Stadtlandschaften

Eine Altstadt für jedermann

Der achtjährige Antonio küsst seine Mutter flüchtig und vertilgt den Rest seiner Pizza im Hausflur. Mit seinem Skateboard unter dem Arm zieht er, aufmerksam den Mopeds ausweichend, eilig durch die Gassen Neapels. Sein Ziel ist die Piazza Dante am Ende der Via Toledo. Zweigeschossige Prunkbauten mit aufgesetzten Skulpturen säumen den halbrunden Platz aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Hier finden Antonio und seine Freunde einen der wenigen Freiräume der Stadt. Keine Skaterbahn mit Halfpipe, Curbs oder Rails, aber rund 4.000 Quadratmeter kostbare Fläche. Ihre sportlichen Herausforderungen liegen in der Umfahrung der Metro-Station mit ihren zahlreichen Fußgängern und des Denkmals des Schöpfers der Göttlichen Komödie, Dante Alighieri.

Neapel ist eine Stadt mit vergleichsweise jungen Einwohnern (19 Prozent sind jünger als 15 Jahre), die in ihren engen Gassen wenig Platz für Freizeitaktivitäten bereithält. Die Stadtplaner haben dies erkannt und sich dafür eingesetzt, die zuvor als Parkplatz genutzte Piazza Dante den Neapolitanern als Freiraum zu überlassen.

Einen Kontrast zur barocken Architektur der Piazza setzt der gläserne Eingang der Metro-Station. Mobilität und Erreichbarkeit sind drängende Probleme der Bewohner und Stadtentwickler. Wer kann, geht zu Fuß. Die Metro bietet die einzige Möglichkeit, ohne Permanentstau die Stadt zu durchqueren. Die Alternative für viele Neapolitaner ist das Moped. Surrend und hupend flitzen sie durch die Gassen, mit Kindern und Einkaufstüten beladen.

Kunst in der Metro

Der Ausbau der Metro ist ein langfristiges Großprojekt der Stadt. Die derzeit drei Linien sollen erweitert werden, um eine innerstädtische Verkehrsentlastung zu erreichen. Die Bauarbeiten gehen langsam voran, da fast jeder Kubikmeter Erde archäologische Schätze birgt. Die Fundstücke sollen der Öffentlichkeit in den künftigen Metro-Stationen präsentiert werden und Einwohnern wie Gästen die Geschichte Neapels näher bringen. Im heutigen Stadtgebiet lag im 4. Jahrhundert v. Chr. ein überaus aktiver Hafen. Drei Boote aus dieser Zeit wurden bereits gefunden. Die Modelle sind in der Metro-Station Museo zu sehen.

Um den Bogen von der griechisch-römischen Zeit zur Moderne zu schlagen, setzen die Stadtplaner auf moderne Architektur und Kunst in der Metro. Zeitgenössische Exponate internationaler Künstler überraschen die Fahrgäste in den Metro-Stationen: in der Metro-Unterführung steht eine Reihe rostiger, zugedeckter Fiat Cinquecento, neben der Rolltreppe hängt ein im Vorbeigehen tropfendes Wandbild. Fotografien des Neapolitaners Mimmo Jodice, Skulpturen von Riccardo Dalisi und Installationen von Jannis Kounellis regen die Auseinandersetzung mit moderner Kunst in einer alten Stadt an.

Die Stadtplaner arbeiten eng mit den lokalen Universitäten für Architektur und Kunst zusammen. Studenten der Universität Federico II entwarfen ein Lichtkonzept für die Piazza Mercato. Die Neugestaltung des Platzes wird der Auftakt zur Belebung des Hafenviertels, bis hinauf zur Piazza Municipio, sein. Die Verbindung beider Plätze soll für Touristen attraktiv gestaltet werden. Sie führt durch das traditionelle Goldschmiedquartier Neapels.

Diese und weitere Projekte werden mit enger Unterstützung von ‚HerO – Heritage as Opportunity’ entwickelt. Im Rahmen des EU-Projektes erfolgt ein intensiver Austausch zur Multifunktionalität in historischen Stadtlandschaften, die eine regionale Infrastruktur, soziales Leben, kommerzielle Angebote, Grünflächen und Freizeitangebote umfasst. Bei regelmäßigen Treffen der neun europäischen Städtepartner werden aktuelle Probleme erörtert und individuelle Lösungsansätze für die einzelnen Städte diskutiert. Man lernt voneinander und teilt Erfahrungen in der Umsetzung konkreter Maßnahmen. Zum Netzwerk HerO gehören Graz, Liverpool, Lublin (Polen), Neapel, Poitiers (Frankreich), Regensburg, Schäßburg (Rumänien), Valletta und Wilna (Litauen).

HerO unterstützt die Partnerstädte beim Aufbau lokaler Strukturen, die den Dialog mit allen Interessensgruppen ermöglichen. Ziel ist es, historische Städte in einen für alle Generationen attraktiven Lebensraum zu entwickeln. Innerhalb von drei Jahren entstehen mit HerO konkrete Aktionspläne für die Netzwerkstädte. Die Teilnehmer des Projektes HerO präsentieren auf der Abschlusskonferenz am 13. und 14. April 2011 in Regensburg final die Ergebnisse ihrer dreijährigen Arbeit.

Koordination und Förderung von HerO

HerO wird im Rahmen des Programms URBACT mit 650.000 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE-Programm) gefördert und durch die Stadt Regensburg koordiniert. Allgemein stehen darüber hinaus aus dem EFRE im Ziel „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“ EU-Mittel in Höhe von insgesamt 576 Mio. Euro für das Programm Bayern 2007 – 2013 zur Verfügung. Damit werden zwei strategische Ziele verfolgt: erstens die Förderung der Schaffung gleichwertiger Lebens- und Arbeitsbedingungen und zweitens die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, des nachhaltigen Wachstums und der Beschäftigung, vorrangig in den Grenzland- und überwiegend strukturschwachen Regionen. In Regensburg wurden damit beispielsweise das Welterbe-Besucherzentrum im historischen Salzstadel an der Steinernen Brücke und das Projekt „Document Schnupftabakfabrik“ gefördert und so einzigartige historische Ensemble neu erlebbar gemacht um die touristische Infrastruktur zu stärken.

Weitere Informationen: www.urbact.eu/hero

Diesen Artikel schrieb Eva Queißer-Drost zum Thema Stadtentwicklung

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