Chillen mit Suchtfaktor

Chillen mit Suchtfaktor

Markus erlebte seinen ersten Rausch mit 14 Jahren. Es war ein warmer Frühlingsabend am Ufer der Havel. Die Freundschaftsinsel – ein passender Ort, um Kumpels zu treffen. Lauschig und gut erreichbar für alle. Zur Freundschaft gehört Bier. Das kennt er von seinem Vater: Freunde treffen heißt Bier trinken. Markus genießt die Leichtigkeit, er fühlt sich mutig und gewinnt an Selbstbewusstsein. Das tut ihm gut, denn in letzter Zeit läuft in der Schule und zu Hause einiges schief. Ständig hat er Stress. Schon beim ersten Bier weicht der Druck. Und er trinkt mehr, viel mehr und wird sich an nichts mehr erinnern.

Jugendliche wie Markus gleiten schleichend in die Abhängigkeit. Es gibt immer Gründe zu feiern oder Frust zu betäuben. Ihres Alkoholproblems sind sie sich nicht bewusst. Und das ist das Problem. Sie halten ihren Alkoholkonsum für normales Trinkverhalten. „Wir chillen gemütlich.“ Streetworker wie der 52-jährige Waldemar Jungbluth von Wildwuchs e.V., ein Projekt des Diakonischen Werkes Potsdam e.V., kennt die Jugendszene in Potsdam. Ein großes Thema in seiner täglichen Arbeit ist die Suchtprävention. „Sorgen bereiten uns vor allem die legalen Drogen. Wir sprechen mit Jugendlichen über Nikotin- und Alkoholkonsum. Dabei geht es weniger um Restriktionen, sondern um eine Aufklärung zu den Folgen, auch Safer Use genannt.“ Über illegale Drogen sind Jugendliche meist besser informiert. Gleichwohl sind junge Menschen neugierig und probieren gern Verbotenes. Streetworker wie Jungbluth wissen um die besondere Experimentierfreudigkeit der Jugendlichen in der Pubertät.

Aufklärung heißt für Sozialarbeiter nicht Vorträge halten oder aus Büchern zitieren. Kinder und Jugendliche brauchen Geschichten, die bei ihnen ankommen. „Wir erzählen von kritischen Lebensphasen Gleichaltriger. Was hat dazu geführt, dass sie Drogen nehmen und was ist aus ihnen geworden. Wie kann man schwierige Lebenssituationen lösen. Welche Alternativen gibt es.“ Beim Erzählen setzt sich Jungbluth zwischen die Jugendlichen auf den Bürgersteig. Augenhöhe schafft Vertrauen. Er spricht über das Rauchen und was in der Lunge geschieht, langfristig. „Schwarze Flecken? Kann ick mir jar nich vorstellen,“ raunt Kai und nimmt genüsslich einen tiefen Zug, als wolle er dem Teer nachspüren. Jungbluth zeigt ihnen Bilder aus einem Flyer und rechnet Kai’s Zigarettenausgaben in Benzinkilometer für seine Simson um. Der ist beeindruckt und fährt in Gedanken mit Marie zur Ostsee.

Für solche Gespräche sucht der Streetworker fortwährend Gelegenheiten. Die Angebote von Wildwuchs Streetwork schaffen einen guten Zugang für Jugendliche und bieten zugleich Alternativen zum Drogenkonsum. Sie gehen Klettern, Angeln, Bowlen, Schwimmen, ins Kino oder Eisessen. Spielen Nachtfußball oder unternehmen Ausflüge, wie kürzlich nach Wittenberge. Dann geht es mit dem Wildwuchs-Bus auf Tour. Sie zelten, grillen, lachen – alles ohne Alkohol. Das Rauchen wird so unbequem wie möglich gemacht und immer wieder thematisiert.

Im Gepäck haben sie neben Frisbeescheiben, Bällen und Tischtenniskellen auch Rauschbrillen. Diese erinnern an Taucherbrillen und simulieren dem Träger verschiedene Promille-Stadien. Wie fühlen sich 1,0 Promille an? Welche Sichteinschränkungen zeigen sich bei 1,3 Promille. Wer einen Führerschein besitzt, darf mit dieser Rauschbrille eine Runde drehen. Die Jugendlichen beobachten sich bei diesem Experiment und Jungbluth erklärt, was im Körper passiert. Sie sehen doppelt und reagieren stark verzögert. Viele von ihnen kennen das Promille-Gefühl, haben sich dabei aber noch nie bei klarem Verstand gesehen. Klara ist von sich selbst angewidert. „So bin ich, wenn ich getrunken habe?“ Elias wird übel und ist froh, dass der Rausch ohne Brille sofort vorüber ist. Er hat keinen Kater und viel gelernt.

 

Diesen Artikel schrieb Eva Queißer-Drost für eine Imagebroschüre der Landesarbeitsgemeinschaft für mobile Jugendarbeit und Streetwork in Brandenburg: www.streetwork-brandenburg.de

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